Erneuerungskonzept -Kaisertor Skatepark

Als etablierter gemeinnütziger Verein versteht sich der Rollsportverein e.V. auch  als Aufklärer. Auch aufgrund von veralteten öffentlich zugänglichen Anlagen wurde daher vor mittlerweile über 10 Jahren der Verein gegründet, um in eigener Hand und durch private Finanzierung den Sportlern der Stadt Mainz eine zeitgemäße Alternative bieten zu können. Unter anderen sehen wir uns als Verein in der Bringschuld, Beteiligte und Zuständige der Stadt, aber auch die Bewohner und Menschen von Mainz darüber aufzuklären, welche Potenziale aufgrund der veralteten Anlagen verloren gehen, als auch welche Gefahren aufgrund des Alters der Anlagen aufzuzeigen. Das folgende Konzept soll eine erste Grundlage für mögliche Gespräche und Erneuerungskonzepte bilden und wurde von Herr Dipl. Ing. Marvin Look aus Mainz verfasst.

Vorwort

Der am Kaisertor befindliche Skatepark in Mainz entspricht seit Jahren nicht mehr den heutigen Ansprüchen des Sportlers. Die Anlagen sind veraltet und bieten keinen ausreichenden kreativen Spielraum.

Die Landeshauptstadt Mainz, insbesondere der innere Stadtkern (Altstadt, Neustadt) gilt seit einigen Jahren als Impulsgeber und Entfaltungsraum für die kreative Szene. Die Lage des Skateparks am Kaisertor ist somit ausgesprochen wertvoll für den Skater – er galt
in den vergangenen Jahren als Treffpunkt der kreativen Skate- und BMX Szene. Nun ist die
Anlage marode, birgt ein hohes Verletzungsrisiko und gilt gestalterisch als nicht zeitgemäß.

Da umliegende Städte und Gemeinden das Potenzial einer zeitgemäßen Anlage bereits erkannt haben, weichen die ortsansässigen Skater und BMXer bevorzugt in die Umgebung aus.

“Glaubt man einer immer größeren Zahl an Wissenschaftlern, dann prosperieren Städte oder Länder eher, wenn sie Neues, Anderes, manchmal auch Ungewöhnliches nicht nur tolerieren, sondern aktiv unterstützen.”

Bericht Zeit-Online „Offen für Wachstum“, 27.Mai 2015

Eine Umgestaltung der Anlage kann durch ein aktives Mitspracherecht des Vorstands des RSV e.V. und seinen Mitgliedern sehr kostenreduziert und zeitnahe umgesetzt werden.

Skateboarding und BMX

Skateboarding und BMX gelten seit den frühen 80er Jahren als Jugend- und Subkultur. Die
Szene kann in Deutschland auf eine über 30 jährige Geschichte zurückblicken. Heute gelten die Sportarten nicht mehr als Jugend- und Subkultur sondern haben sich zu einer
festen Freizeitaktivität und darüber hinaus zu einer gewachsenen und etablierten Sport- und Freizeitkultur entwickelt. Die Mitgliedschaften des RSV e.V. beispielsweise belegen, dass es Skateboarder und BMXer jeglicher Altersklasse und jeglichen akademischen Grades gibt. Skateboarding und BMX ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und verdient den entsprechenden Raum sich weiter zu entwickeln und zu entfalten.

Wir, d.h. der Rollsportverein Mainz e.V., fordern deshalb eine Neugestaltung der Anlage am Kaisertor.

 

Einbindung in die städtische Struktur –
Städtebauliche Lage des Skateparks am Kaisertor

Durch die exponierte Lage am Rhein ist die Fläche gestaltprägend für die Stadt. Insbesondere im Hinblick auf die Neubebauung des alten Zollhafengeländes erachten wir eine Erneuerung der Skateanlage am Kaisertor für gewinnbringend und zeitgemäß. Die Rheinpromenade zwischen der Theodor-Heuß-Bücke und dem alten Zollhafengelände wird städtebaulich immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Vorteile einer Neugestaltung des Skateparks am Kaisertor
-­ Aufwertung der Rheinpromenade
-­ Förderung der Freizeitkultur
-­ Standortbindung der Szene

Bestandserfassung

Der Skatepark am Kaisertor wurde im Jahr 2004 (September/Oktober) grunderneuert. aufgrund des Alters der Anlageund entstanden in Laufe der Jahre immer mehr Schäden und Mängel an der bestehenden Anlage. Unabhängig von der nicht zeitgemäßen Architektur der Anlage bilden diese Mängel und Schäden eine nicht unrelevante Gefahrenquelle insbesondere für Anfänger und Einsteiger, als auch Kinder und Jugendliche die den Platz auch unabhängig vom Rollsport nutzen. Hier wurden teilweise auch Reperaturen in Eigenregie von Sportlern betrieben, da es so scheint als gäbe es nicht wirklich betroffene Personen die sich um den Erhalt oder eine Erneuerung der Anlagen kümmern. Im Folgenden werden Mängel und Schäden aufgelistet und mit Hilfe von Bildern belegt.

Bodenbelag:

Aufgrund der  jahrelangen Verwitterung wurde der Boden der Anlage mit der Zeit immer rauher und an manchen Stellen bereits unfahrbar. Ein erhöhte Gefahr bildet dabei das Fahren und das damit verbundene Hinfallen. Aufgrund der Griffigkeit des Bodens können somit schwere Verletzungen entstehen. Architelten zeitgemäßer Anlagen haben dies bereits erkannt, sodass heutzutage ausschließlich Vollgussbeton genutzt wird, welcher ein besseres Fahren und ein niedrigeres Verletzungsrisiko mit sich bringt (weiter unten sind hierfür mehrere Beispiele anderer Städte zu sehen).

Aspahltschäden im Bereich der An- und Ausfahrt:

Abgesehen vom generell schlechten Zustand des Bodens bilden Asphaltschäden wie Löcher und Kanten im Bereich der An- und Ausfahrt vor den Anlagenobjekten ein weiteres Gefahrenpotenzial. Da in diesen Bereichen der Absprung und die Landung von und auf die Objekte der Anlage stattfinden und diese in der Regel in einer hohen Geschwindigkeit stattfinden, entstehen hier weitere erhöhte Verletzungsrisiken für die Sportler. Die Gefahr an den beschädigten Stellen hängen zu bleiben und ggf. gegen die Objekte zu fallen / fliegen ist vorhanden, weswegen zum Teil mit einfachen Mitteln von Nutzern der Anlage grobe Löcher unprofessionell „geflickt“ wurden.

lockere Bodenauffahrtsplatten und poröser Beton:

Weitere Mängel bilden die Objekte der Anlage selbst. So sind Auffahrtsbleche verbogen oder durch die Witterung abgelöst. Dies und auch der teilweise poröse Beton der Objekte sorgt dafür, dass scharfe Kanten entstanden sind. Hier besteht die Gefahr sich Schnittverletzungen zuzuführen. Aber auch die Komponenten der Skateboards oder Fahrräder werden durch die Nutzung stärker beansprucht und können schneller kaputt gehen.

Erneuerungsvorschläge

Für eine realistische Umsetzung der Skatefläche am Kaisertor erachten wir eine Umgestaltung der Fläche in Form einer skulpturalen, skatebaren Architektur. Hierbei können vereinzelte (noch intakte) Elemente der Bestandsfläche integriert werden, um Kosten zu minimieren. Zudem kann die Umgestaltung z.B. mittels formbildenden Blöcken (siehe Beispiele weiter unten) eine Symbiose zu der Landschaftsarchitektur der Uferpromenade darstellen und eine spannende Skulpturlandschaft für den Betrachter darstellen.

Vorteile einer solchen skatebaren Architektur wären:

  • der außenstehende Betrachter nimmt die Fläche nicht ausschließlich als Skatepark war
  • attraktive Platzgestaltung
  • zeitgemäße attraktive Skateparkgestaltung für Einsteiger bis Fortgeschrittene
  • Langlebigkeit der Anlage
  • Förderung des Sports und der Kultur
  • Erschaffung eines neuen Szenetreffpunkts
  • Verminderung der illegalen Nutzung von städtischen Plätzen

Das moderne Skateboarding und BMXing bedient sich Elementen aus dem Stadtraum (Sitzbänke aus Granit oder Marmor, Treppen, ummauerte Blumenbete, Laderampen (Schrägen), Handgeländer etc.). Einige dieser Elemente sollten bei der Umsetzung berücksichtigt werden. Zudem sollten Grundelemente des Skateboardings bzw. BMX an den Stirnseiten der Fläche ausgearbeitet werden (Banks, Quarter, Bowlcorner) sodass der Sportler in einem dauerhaftem Fluss die Anlage nutzen kann.

mögliche Neugestaltung Erstentwurd (Bestand / Erstentwurf):

Materialität der Anlage

Der Asphalt der bestehenden Anlage ist sanierungsfällig. Um die Materialität der Ufergestaltung zu integrieren könnte die neue Fläche mittels der am Raimunditor verlegten Gehwegplatten ausgebaut werden. Hierbei ist ggf. ein nachträgliches Versiegeln der Fugen durchzuführen, damit die Fläche für den Skater nahezu Fugenlos ist. Auch der Basketballplatz könnte mittels dieser Gehwegplatten aufgewertet werden, sodass ein
einheitliches Gesamtbild für die Fläche entsteht. Die Bestandsrampen werden mittels Fußbodenfarbe aufgewertet (Farbwahl z.B. in Anlehnung der naheliegenden Tiefgarage).
Anschließende Graphities und Schmierereien können mittels überstreichen der Rampen
kostengünstig beseitigt werden.

Inspirationen

Abschließend möchten wir dem Leser und den Beteiligten noch Inspirationen und Beispielprojekte aufzeigen, da dem Verein bewusst ist, dass die visuelle Vorstellung für Menschen außerhalb der Szene schwierig zu greifen ist. Aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten die eine solche Anlage mit sich bringen kann, bilden die folgenden Bilder erste Beispiele für eine grobe Ausrichtung der Erneuerung des Skateparks und sollen dazu dienen erste Ideen zu sammeln und das bisherige Erneuerungskonzept visuell greifbarer zu machen.

Einwohnerzahlen der abgebildeten Anlagen

Riedheim (2.688)

Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg (16.000)

Hamburg Wilhelmsburg (20.000)

Mühlhacker (25.000)

Bamberg (8.000)

Würzburg (125.000)

Darmstadt (148.000)

Nürnberg (495.000)

Luxemburg (543.000)

Frankfurt (678.000)

Köln (1.000.000)

 

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